Digital gründen -
Praxis neugründen

Zu Beginn einer Praxisgründung stehen viele Überlegegungen im Raum.
Warum bereits hier die digitale Struktur geplant werden sollte und welche
digitale Unterstützungen es gibt, erfahren Sie hier.

MFA hält Tablet in der Hand um im Hintergrund sind Ärzte

Digital gründen – Praxis neugründen

Erfahren Sie hier mehr über die digitalen Schritte einer Praxisgründung.

Entscheidender Meilenstein der Arztlaufbahn

Die Gründung einer Arztpraxis ist für viele Ärzt:innen einer der bedeutendsten Meilensteine in ihrer beruflichen Laufbahn. Diese Phase bringt viele wichtige Entscheidungen mit sich: Soll eine komplett neue Praxis entstehen oder eine bestehende übernommen werden? Welcher Standort passt am besten zu den eigenen Vorstellungen? Soll die Praxis allein oder gemeinsam in einer Berufsausübungsgemeinschaft geführt werden? Auch die Gestaltung der Räumlichkeiten spielt eine große Rolle für den zukünftigen Praxisalltag. [1]

Im Zuge dieser Überlegungen stellt sich auch die Frage nach der passenden technischen Ausstattung. Zunächst denkt man dabei vielleicht an die Computer des Praxisteams und das dazugehörige Praxisverwaltungssystem. Doch die Möglichkeiten digitaler Unterstützung gehen weit darüber hinaus.

Welche Lösungen es gibt und welchen Mehrwert sie bieten, wird in diesem Artikel näher beleuchtet.

Warum digitale Strukturen schon bei der Gründung wichtig sind

Gerade bei der Neugründung einer Praxis bietet sich die einmalige Gelegenheit, von Anfang an digital zu starten. Wer seine Praxis gleich zu Beginn modern aufstellt, schafft nicht nur effiziente Strukturen, sondern positioniert sich auch als zeitgemäße, patientenorientierte Einrichtung. Eine digitale Ausrichtung bietet zudem einen klaren Wettbewerbsvorteil, denn obwohl digitale Lösungen längst notwendig sind, werden sie noch nicht alle Praxen konsequent umgesetzt.

Durch durchdachte Digitalisierung lassen sich Abläufe von Beginn an optimal gestalten. Das schafft eine angenehme Arbeitsatmosphäre und beugt Überlastung des Teams vor, bevor sie überhaupt entsteht. [2]

Ein Arzt, der ein Tablet in der Hand hält.

Wer frühzeitig auf digitale Strukturen setzt, fördert eine angenehme Arbeitsathmosphäre und zufriedene Patient:innen.

Wer frühzeitig auf digitale Strukturen setzt, fördert eine angenehme Arbeitsathmosphäre und zufriedene Patient:innen.

So wird die Praxis digital: Die wichtigsten Bereiche im Überblick

In einer modernen Arztpraxis gibt es zahlreiche Abläufe, die sich digital unterstützen oder vollständig automatisieren lassen. Der folgende Überblick verdeutlicht, in welchen Bereichen besonders großes Digitalisierungspotenzial besteht.

Patientenkommunikation

Der Kontakt zu den Patient:innen bildet den Kern jeder Praxis und bietet vielfältige Möglichkeiten, Abläufe effizienter zu gestalten.

Ein zentraler Bereich ist die Terminverwaltung. Mithilfe digitaler Buchungssysteme können Patient:innen ihre Termine selbstständig vereinbaren, verschieben oder absagen. Diese Systeme lassen sich direkt an das Praxisverwaltungssystem anbinden, sodass neue Termine automatisch im Kalender erscheinen und abgesagte Termine sofort wieder freigegeben werden. Das reduziert den organisatorischen Aufwand erheblich und entlastet das Praxisteam, da weniger Telefonate nötig sind und der Alltag ruhiger abläuft.

Auch digitale Formulare sind eine einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme. Standardisierte Dokumente, wie Anamnesebögen, Aufklärungs- oder Datenschutzformulare, können online bereitgestellt und bereits vor dem Termin ausgefüllt werden. Die eingegebenen Daten werden anschließend automatisch in die elektronische Patientenakte übernommen. So spart das Team wertvolle Zeit und vermeidet Übertragungsfehler.

Darüber hinaus ermöglichen digitale Kommunikationswege einen sicheren und direkten Austausch. Patient:innen können Befunde, Rezepte oder andere Dokumente anfordern, die Praxis kann diese unkompliziert und datenschutzkonform übermitteln. Ebenso lassen sich automatische Nachrichten oder Erinnerungen versenden, beispielsweise zu bevorstehenden Terminen oder Medikamenteneinnahmen. Dies reduziert das Telefonaufkommen und bietet die Möglichkeit, Anfragen dann zu bearbeiten, wenn Kapazitäten vorhanden sind.

All diese Funktionen können entweder über verschiedene Einzelanwendungen oder über eine ganzheitliche Lösung, wie die Online-Rezeption, umgesetzt werden. Patient:innen  profitieren dabei von einer flexiblen, zeitunabhängigen Kommunikation, während das Praxisteam entlastet wird und sich stärker auf die medizinische Betreuung konzentrieren kann.

Patientenerlebnis vor Ort

Die digitale Patientenkommunikation trägt bereits wesentlich zu einer positiven Patientenerfahrung bei. Doch auch der Aufenthalt in der Praxis selbst lässt sich durch digitale Lösungen gezielt verbessern.

Auch hier lässt sich der Prozess durch digitales Ausfüllen von Formularen vereinfachen. Standarddokumente können nicht nur vor dem Termin online ausgefüllt, sondern auch direkt in der Praxis über QR-Codes bereitgestellt werden. Patient:innen scannen den Code mit dem eigenen Smartphone oder können optional bereitgestellte Tablets nutzen. Die eingegebenen Daten werden automatisch in die digitale Patientenakte übernommen. Das spart Zeit, reduziert Papieraufwand und vermeidet Übertragungsfehler.

Auch der Anmeldeprozess kann effizienter gestaltet werden. Statt langer Warteschlangen am Empfang können Self-Check-in-Terminals eingesetzt werden, an denen sich Patient:innen selbstständig anmelden. Sie werden automatisch in die digitale Warteliste aufgenommen, was eine bessere Koordination des Praxisablaufs ermöglicht und das Empfangsteam entlastet.

Darüber hinaus kann die Aufruf- und Raumnavigation digital gesteuert werden. Wartenummern und Informationen zu den Behandlungsräumen lassen sich auf Bildschirmen im Wartebereich anzeigen. Ergänzend unterstützen digitale Raumpläne das Praxisteam dabei, verfügbare Räume zu erkennen und Patient:innen gezielt zuzuordnen und aufzurufen. Das optimiert die internen Abläufe und sorgt für mehr Ruhe und Übersicht im Praxisbetrieb.

Eine Patientin sitzt im Wartezimmer und macht ihre Anamnese digital

Das digitale Ausfüllen von Formularen erleichtert den Ablauf spürbar.

Das digitale Ausfüllen von Formularen erleichtert den Ablauf spürbar.

Künstliche Intelligenz in der Praxis

Auch eine frühzeitige Investition in Künstliche Intelligenz (KI) kann für Praxen von großem Nutzen sein.

KI-Technologien ermöglichen den Zugang zu relevanten Informationen und die Analyse umfangreicher Datenmengen, um Muster und Trends zu erkennen. Dadurch können Ärzt:innen in ihrer Entscheidungsfindung unterstützt und Behandlungsstrategien gezielter entwickelt werden.

Ein besonders vielversprechendes Einsatzfeld liegt in der Diagnostik und Früherkennung. KI-Systeme können medizinische Bilddaten auswerten und Auffälligkeiten identifizieren, die dem menschlichen Auge möglicherweise entgehen. So lassen sich Krankheiten in frühen Stadien erkennen, was die Heilungschancen und die Lebensqualität der Patient:innen deutlich verbessern kann.

Darüber hinaus kann KI auch im Bereich der Patientenkommunikation sinnvoll eingesetzt werden, beispielsweise durch Chatbots oder KI-gestützte Telefonassistenten. Diese nehmen Anfragen entgegen, bündeln sie strukturiert und leiten sie an das Praxisteam weiter. Standardisierte Fragen, zum Beispiel zu Öffnungszeiten, kann die KI direkt beantworten. Dadurch wird das Team entlastet, und die Erreichbarkeit der Praxis verbessert sich spürbar.

Trotz aller Vorteile gilt: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz soll den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Ärztliche Expertise, Empathie und Erfahrung bleiben unverzichtbar. KI ist dabei ein Werkzeug, das diese sinnvoll ergänzt. [4]

Telemedizinische Versorgung

Ein weiterer zentraler Baustein der Digitalisierung ist die telemedizinische Versorgung. Sie eröffnet neue Wege, medizinische Betreuung orts- und zeitunabhängig anzubieten und die Versorgung insgesamt flexibler zu gestalten.

Videosprechstunden ermöglichen es, viele Anliegen zu klären, ohne dass eine persönliche Untersuchung vor Ort notwendig ist. Davon profitieren insbesondere Patient:innen mit eingeschränkter Mobilität oder langen Anfahrtswegen. Auch für Ärzt:innen bieten sie Vorteile, da Videosprechstunden optional auch aus dem Homeoffice durchgeführt werden können.

Zu den besonders vielversprechenden digitalen Lösungen zählt das Telemonitoring, das vor allem für chronisch erkrankte Personen große Chancen bietet. Diese nutzen Geräte, die regelmäßig Vitaldaten erfassen. Die erhobenen Werte werden automatisch an das Praxisteam übermittelt, das die Daten fortlaufend überwacht. Mithilfe von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz lassen sich Abweichungen oder Verschlechterungen frühzeitig erkennen. Das medizinische Personal kann bei Auffälligkeiten sofort reagieren und geeignete Maßnahmen einleiten.

Telemonitoring ermöglicht somit eine kontinuierliche Betreuung, schnelle Reaktionen. Gleichzeitig werden Patient:innen entlastet, da weniger Präsenztermine notwendig sind und ihre Sicherheit sowie die Versorgungsqualität steigen. [4]

Ärztin, die an einem PC sitzt und einen Videoanruf macht

Telemedizin bietet ein großes Potential bei der Digitalisierung.

Telemedizin bietet ein großes Potential bei der Digitalisierung.

Durchdachter Internetauftritt

Ein weiterer zentraler Baustein zum Start ist eine professionelle Website. Sie sorgt dafür, dass potenzielle Patient:innen die neue Praxis überhaupt finden können. Da sich die meisten Personen vor einem Arztbesuch im Internet informieren, sollte die Website idealerweise drei Monate vor der Praxiseröffnung fertiggestellt und veröffentlicht werden. Das gibt ausreichend Zeit, um die Seite zu verifizieren und ihre Sichtbarkeit in Suchmaschinen aufzubauen.

Was vor der Einführung digitaler Lösungen wichtig ist

Sowohl die Gründung einer Arztpraxis als auch die Einführung digitaler Anwendungen unterliegen verschiedenen rechtlichen Vorgaben. Daher ist es wichtig, vor der Implementierung jeglicher Software alle relevanten gesetzlichen Bestimmungen sorgfältig zu prüfen und bei Bedarf professionelle Unterstützung hinzuzuziehen.

Neben den Regelungen zum elektronischen Rezept (E-Rezept) und zur elektronischen Patientenakte (ePA) sind insbesondere die Anforderungen der Telematikinfrastruktur, des Barrierefreiheitsgesetzes sowie der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu beachten. Diese Beispiele bilden allerdings nur einen Ausschnitt der rechtlichen Vorgaben. Sie sollen einerseits die Sicherheit und Verfügbarkeit digitaler Systeme gewährleisten und andererseits den Schutz sensibler Patientendaten sicherstellen. [5]

Eine frühzeitige rechtliche Prüfung hilft, mögliche Risiken zu vermeiden und schafft eine sichere Grundlage für einen rechtskonformen und reibungslosen Praxisbetrieb.

Unterstützungsangebote für digitale Innovationen

Durch die Inanspruchnahme geeigneter Förderprogramme lassen sich nicht nur die anfänglichen Investitionskosten senken, sondern auch finanzielle Risiken minimieren und die langfristige Tragfähigkeit digitaler Projekte sichern. Gleichzeitig ermöglichen sie eine schnellere Umsetzung innovativer Vorhaben und schaffen neue Möglichkeiten, moderne Technologien effizient in den Praxisalltag zu integrieren.

Beispielhaft lassen sich die folgenden zwei Programme nennen:

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) stellt beispielsweise im Rahmen der Gesundheits- und Pflegedigitalisierungsrichtlinie (BayDiGuP) Fördermittel in drei sogenannten Förderlinien bereit, mit denen Digitalisierungsprojekte im Freistaat Bayern unterstützt werden. [6]  Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet als eine der führenden Förderbanken weltweit mit dem ERP-Förderkredit Digitalisierung ein Förderprogramm für digitale Vorhaben an. Im Rahmen des Programms werden zinsgünstige Kredite zur Finanzierung von Digitalisierungsprojekten vergeben. Die Kreditvergabe ist in drei Stufen aufgebaut, die mit steigendem Digitalisierungsgrad zunehmend günstigere Konditionen vorsehen. Das Angebot gilt grundsätzlich für Unternehmen und schließt dadurch Arztpraxen mit ein. [7]

Fazit: Digital durchstarten von Anfang an

Eine modern geführte Arztpraxis bietet zahlreiche Möglichkeiten, durch digitale Lösungen Abläufe zu optimieren und den Alltag für Patient:innen und das Praxisteam zu erleichtern. Besonders bei einer Neugründung besteht die ideale Gelegenheit, von Beginn an eine durchdachte digitale Infrastruktur aufzubauen.

Die Digitalisierung kann in nahezu allen Bereichen unterstützen, von der Patientenkommunikation über den Einsatz Künstlicher Intelligenz bis hin zur Telemedizin. Auch weitere organisatorische Themen wie Abrechnung, cloudbasierte Telefonie und Dienstplanung profitieren von digitalen Lösungen. Eine frühzeitige Planung und Umsetzung erleichtern nicht nur den Start, sondern legen den Grundstein für eine moderne, patientenorientierte und nachhaltig erfolgreiche Praxis.

Veröffentlicht: Februar 2026

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Verwendete Quellen:

[1] Stiller, T.: Überlegungen zur Gründung oder Übernahme einer Arztpraxis, 2013 
[2] Kensy, A.: Praxiskauf & Praxisgründung 2019 – Schritt für Schritt durch die entscheidenden 12 Monate Ihrer Praxisöffnung, 2019

[3] Arnold, U., Geibel, R., Wältermann, G. (Hrsg.): Digitale Gesundheit in Deutschland - Wo stehen wir und wo müssen wir hinkommen?, 2025.
[4] Naumann, A.: Digitalisierung in der Arztpraxis, in: Gastro-News, 2020

[5] Bundesgesundheitsministerium: Digitalisierung im Gesundheitswesen 
[6] Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP): Förderung von digitalen und innovativen Gesundheits- und Pflegeprojekten
[7] Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): ERP-Förderkredit Digitalisierung