Ärztemangel

Der Fachkräftemangel stellt in Deutschland eine wachsende
Herausforderung dar. Wie sich die aktuelle Situation bei Ärzt:innen
in Deutschland darstellt, welche Ursachen dem zugrunde liegen und
welche Lösungsansätze es zur Bewältigung gibt, beleuchtet dieser Artikel.

Ärztin sitzt hinter PC

Ärztemangel

Erfahren Sie hier mehr zu den Ursachen und Gegenmaßnahmen des Ärztemangels in Deutschland.

Ärzteschaft im Wandel: Aktuelle Trends und Entwicklungen

Die deutsche Ärzteschaft in Deutschland ist nach Angaben der Bundesärztekammer im Jahr 2024 um rund 2,1 Prozent auf etwa 581.000 gestiegen. Dabei zeigt sich seit Jahren ein deutlicher Trend: Es gibt zunehmend mehr angestellte Ärzt:innen, insbesondere im stationären Bereich, während die Zahl der Niedergelassenen kontinuierlich sinkt.

 Erstmals im Jahr 2024 stellten Frauen mit einem Anteil von 50,1 Prozent die Mehrheit der berufstätigen Ärzt:innen in Deutschland. Prognosen zufolge wird der Frauenanteil innerhalb weniger Jahre auf etwa zwei Drittel steigen.

Für die Sicherung der ärztlichen Versorgung spielen zudem Mediziner:innen aus dem Ausland eine entscheidende Rolle. Allein im Jahr 2024 wurden über 5.000 Erstanmeldungen von Ärzt:innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft registriert. Insgesamt besitzen mittlerweile mehr als 15 Prozent der Ärzt:innen in Deutschland keine deutsche Staatsbürgerschaft. [1]

Warum steigende Ärztezahlen den Mangel nicht beheben

Prognosen zeigen, dass das aktuelle Wachstum nicht ausreichen wird, um den Auswirkungen des demografischen Wandels standzuhalten. Fast ein Viertel der Ärzt:innen ist über 60 Jahre alt und wird voraussichtlich in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. [2]

Gleichzeitig bestehen in Deutschland zu geringe Studienkapazitäten, obwohl es deutlich mehr Bewerber:innen für ein Medizinstudium gäbe. Zwar investieren einige Bundesländer inzwischen in den Ausbau der Studienplätze, doch bis zusätzlich ausgebildete Ärzt:innen tatsächlich zur Verfügung stehen, werden noch mehrere Jahre vergehen. Kurzfristige Personalengpässe lassen sich dadurch also kaum beheben.

Hinzu kommt, dass immer mehr Ärzt:innen in Teilzeit arbeiten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass „Teilzeit“ im ärztlichen Bereich häufig dennoch eine Wochenarbeitszeit von rund 40 Stunden bedeuten kann, während Vollzeitstellen nicht selten 50 bis 60 Stunden umfassen. Laut einer Befragung des Marburger Bundes aus dem Jahr 2024 arbeiten Ärzt:innen im Durchschnitt 49 Stunden pro Woche. Über die Hälfte der Befragten liegt sogar darüber. Zugleich wünschen sich 93 Prozent eine Wochenarbeitszeit von höchstens 48 Stunden, was ein klares Zeichen für die anhaltende Überlastung ist. 

Ein weiterer belastender Faktor ist der hohe Verwaltungsaufwand: Im Mittel entfallen laut derselben Studie täglich etwa 2,8 Stunden auf administrative Aufgaben. Zeit, die somit nicht für die direkte Patient:innenversorgung genutzt werden kann. [3]

Expert:innen verweisen zudem auf eine zunehmende „Fehlverteilung“ innerhalb der Ärzteschaft. Deutliche Unterschiede bestehen etwa zwischen städtischen und ländlichen Regionen oder zwischen wirtschaftlich starken und sozial schwächeren Gebieten. Auch innerhalb der Fachrichtungen verändert sich die Struktur: Während die Zahl der Allgemeinmediziner:innen stetig sinkt, steigt die Zahl der spezialisierten Fachärzt:innen kontinuierlich an.

Arzt, der ein Stethoskop in der Hand hält

Immer mehr Ärzt:innen möchten früher in den Ruhestand gehen.

Immer mehr Ärzt:innen möchten früher in den Ruhestand gehen.

Die Ursachen hinter der Versorgungskrise

Neben dem demografischen Wandel und den unzureichenden Investitionen in Studienkapazitäten liegen den aktuellen Entwicklungen noch weitere Ursachen zugrunde.

Die steigende Teilzeitquote und teilweise auch komplette Berufswechsel unter Ärzt:innen lassen sich auf verschiedene Faktoren zurückführen.

Wie bereits erläutert, ist die Vollzeitarbeit im ärztlichen Beruf mit deutlich höheren Wochenarbeitszeiten verbunden als in den meisten anderen Tätigkeitsfeldern. Das führt häufig zu einem hohen Stressniveau. In der Umfrage des Marburger Bundes aus dem Jahr 2024 gaben 60 Prozent der Befragten an, sich häufig überlastet zu fühlen oder sogar regelmäßig an ihre Belastungsgrenzen zu stoßen. Auch die körperliche und psychische Beanspruchung durch teils schwierige Arbeitsbedingungen darf nicht unterschätzt werden.

Besonders jüngere Ärzt:innen legen zunehmend Wert auf geregelte Arbeitszeiten und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Das trägt nicht nur zu höheren Teilzeitquoten, sondern auch zu einem Anstieg angestellter Tätigkeiten und vermehrten Berufswechseln bei.

Die gewachsene Zahl weiblicher Ärztinnen ist im Sinne der Gleichberechtigung eine sehr erfreuliche Entwicklung. Gleichzeitig stößt das Gesundheitssystem hier an seine Grenzen, da es sich strukturell noch nicht ausreichend an diese Veränderung angepasst hat. [4] Da Frauen nach wie vor überdurchschnittlich oft den Großteil der familiären Care-Arbeit übernehmen, führt dies in der Praxis häufig zu höheren Teilzeitquoten und zeitweisen Berufspausen. [5]

Auch die ungleiche regionale Verteilung von Ärzt:innen zwischen Stadt und Land hat mehrere Ursachen.

Eine wichtige Rolle spielt die regionale Bindung vieler Medizinstudierender: Wer in einer Universitätsstadt lebt und dort seine Praktika absolviert, bleibt häufig auch nach dem Studium in der Region. Praktika in ländlichen Gebieten sind mit zusätzlichen Kosten für Unterkunft und Fahrt verbunden, wodurch der Kontakt zum Landarztberuf oft ausbleibt.

Hinzu kommen teilweise schwierigere Arbeitsbedingungen in ländlichen Regionen, etwa längere Anfahrtswege für Hausbesuche und ein höheres Patientenaufkommen, die eine Niederlassung dort unattraktiver machen.

Der Mangel an Nachwuchs in der Allgemeinmedizin ist teilweise auf die an den medizinischen Fakultäten vorherrschende, häufig kritische akademische Bewertung des Fachgebiets zurückzuführen. [6]

Steigende Nachfrage als Verstärker des Ärztemangels

Der Ärztemangel ist nicht ausschließlich auf ein unzureichendes Angebot an Ärzt:innen zurückzuführen. Auch die stetig wachsende Nachfrage nach medizinischer Versorgung verschärft die Situation zunehmend.

Der demografische Wandel führt dazu, dass die Bevölkerung in Deutschland immer älter wird. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, an chronischen oder altersbedingten Erkrankungen zu leiden. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Prävention und regelmäßige Gesundheitschecks.

Dadurch nimmt die Zahl der Arztbesuche insgesamt zu. Das bedeutet: Während das Angebot an Ärzt:innen stagniert oder in bestimmten Regionen sogar sinkt, steigt die Nachfrage nach ärztlicher Betreuung kontinuierlich. Eine Entwicklung, die das bestehende Ungleichgewicht weiter verstärkt.

Handlungsansätze zur Sicherung der ärztlichen Versorgung

Zur Bewältigung des Ärztemangels sind sowohl kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen erforderlich.

Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Hoher Arbeitsdruck sowie körperliche und psychische Belastungen führen häufig zu Überlastung, krankheitsbedingten Ausfällen oder Berufswechseln. Um dem entgegenzuwirken, muss das Gesundheitssystem stärker auf eine ausgewogene Work-Life-Balance ausgerichtet werden. Arbeitsmodelle, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen, sind dabei entscheidend. Besonders wichtig ist auch, dass sich die Arbeitsstrukturen an die Lebensrealitäten von Frauen anpassen, die nach wie vor überdurchschnittlich viel familiäre Care-Arbeit leisten. [7]

Darüber hinaus spielt gesellschaftliche Wertschätzung eine zentrale Rolle. Gewalt gegen Ärzt:innen nimmt laut einer Befragung des Marburger Bundes zunehmend zu: 45 Prozent der Teilnehmenden berichteten von verbaler Gewalt, 12 Prozent sogar von körperlichen Übergriffen, meist durch Patient:innen. Ärzt:innen benötigen daher besseren Schutz sowie klare Signale der Anerkennung für ihre verantwortungsvolle Arbeit.

Langfristig ist auch die Erweiterung der Studienkapazitäten im Fach Medizin unerlässlich. Nur so lässt sich der zukünftige Bedarf an Ärzt:innen decken. Um zugleich den regionalen Mangel in ländlichen Gebieten zu verringern, sollten im Studium gezielt Angebote mit Fokus auf die medizinische Versorgung im ländlichen Raum geschaffen werden. Studien zeigen, dass solche Programme das Interesse an einer Tätigkeit außerhalb der Städte deutlich erhöhen können. [8]

Es ist zudem erforderlich, die akademische Anerkennung der Allgemeinmedizin im Rahmen des Medizinstudiums zu verbessern, um das Fachgebiet für Studierende attraktiver zu gestalten.

Auf lange Sicht muss der Nachwuchs an Ärzt:innen gesichert werden.

Potenziale der Digitalisierung zur Entlastung der Ärzteschaft

Eine der am schnellsten umsetzbaren Maßnahmen zur Entlastung von Ärzt:innen liegt im Einsatz digitaler Technologien. Angesichts eines durchschnittlichen Verwaltungsaufwands von rund 2,8 Stunden pro Tag besteht hier erhebliches Optimierungspotenzial. Neben gesetzlich vorgesehenen Instrumenten wie der elektronischen Patientenakte und dem E-Rezept gibt es zahlreiche weitere digitale Lösungen, die den Praxisalltag erleichtern können.  

Ein wichtiges Beispiel ist die Telemedizin, die in verschiedenen Formen zum Einsatz kommt. Beispielweise können durch das kontinuierliche Monitoring chronisch Erkrankter Vitaldaten automatisch und nahtlos an die Praxis übermittelt werden. Bei Auffälligkeiten werden Ärzt:innen sofort informiert, häufige Kontrolltermine vor Ort werden dadurch überflüssig. Auch Videosprechstunden entlasten medizinisches Personal und bieten Flexibilität, da sie teilweise aus dem Homeoffice durchgeführt werden können. Das ist besonders für Praxen und Patient:innen mit langen Anfahrtswegen hilfreich und kann zugleich die Versorgung im ländlichen Raum verbessern.  

Auch in der Patientenkommunikation bieten digitale Anwendungen große Chancen. Über eine Online-Rezeption können Patient:innen beispielsweise Termine selbst buchen, Unterlagen hochladen oder digitale Anamnesebögen ausfüllen, die automatisch ins Praxisverwaltungssystem übertragen werden. Damit reduziert sich der organisatorische Aufwand für medizinische Fachangestellte, die dadurch mehr Zeit für die persönliche Betreuung haben.  Die Ärzt:innen profitieren auch davon, da entlastete MFAs sie bei Routineaufgaben unterstützen und sie selbst mehr Kapazitäten für die medizinische Versorgung freisetzen können.

Diese Beispiele zeigen nur einen Ausschnitt der vielfältigen digitalen Möglichkeiten im Gesundheitswesen. Richtig umgesetzt kann Digitalisierung den Berufsalltag deutlich erleichtern, Prozesse beschleunigen und so maßgeblich dazu beitragen, den Ärztemangel zumindest teilweise abzufedern. [9]

Fazit: Perspektiven für die ärztliche Versorgung

Der Ärztemangel in Deutschland ist ein komplexes, strukturelles Problem, das weit über eine reine Angebotsfrage hinausgeht. Neben dem demografischen Wandel tragen auch steigende Versorgungsbedarfe, unzureichende Studienkapazitäten und veränderte Arbeitsmodelle zur Verschärfung der Situation bei.

Um die ärztliche Versorgung langfristig zu sichern, braucht es verschiedene Maßnahmen, wie attraktivere Arbeitsbedingungen, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, den gezielten Ausbau von Studienplätzen sowie eine stärkere Förderung der Allgemeinmedizin, insbesondere im ländlichen Raum. Ergänzend kann die konsequente Nutzung digitaler Technologien den Arbeitsalltag spürbar erleichtern und wertvolle Ressourcen freisetzen.

Nur durch eine ganzheitliche Strategie aus struktureller Reform, technologischem Fortschritt und gesellschaftlicher Wertschätzung lässt sich der Ärztemangel nachhaltig bewältigen.

Veröffentlicht: Januar 2026

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Verwendete Quellen:

[1] Bundesärztekammer: Ergebnisse der Ärztestatistik zum 31.12.2024 
[2] Kreuzenbeck, C. et al.: Die Herausforderungen der Generation Babyboomer für das Gesundheitswesen
[3] Marburger Bund: MB-Monitor 2024
[4] Billmayer, L.: Warum der Ärztemangel komplexer ist 

[5] Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Gender Care Gap
[6] Kaduszkiewicz, H., et. al.: Ärztemangel in der hausärztlichen Versorgung auf dem Lande und im Öffentlichen Gesundheitsdienst - Eine kritische Analyse der Evidenz bezüglich der Rolle von Aus- und Weiterbildung

[7] PWC: Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen 2022
[8] Johna, S.: Ärztemangel – strukturelle Probleme und mögliche Gegenmaßnahmen, in: Gesundheitswesen aktuell 2024
[9] Arnold, U., Geibel, R., Wältermann, G. (Hrsg.): Digitale Gesundheit in Deutschland - Wo stehen wir und wo müssen wir hinkommen?